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Die Data-Detox-Kur für dich und deine Gadgets I about:blank 006


Früher habe ich ganz schön viel Ballast
mit mir rumgeschleppt. Die ganzen Daten haben mich müde, abgeschlagen und schlapp gemacht. Manchmal wurde ich richtig wütend! Diese ganzen Daten, die ich produzierte, das konnte einfach nicht gesund sein. Irgendwann war mir klar, dass es so nicht
weitergeht. Mein digitales Ich geriet mehr und mehr außer Kontrolle. Ich musste etwas ändern. Hi, ich bin Florian Prokop, und ich teste
in dieser Folge für euch ein Data Detox Kit. Ist doch krass: Ich gucke mir einmal einen
Pullover im Netz an und schon ist er überall wo ich surfe. Immer soll ich diesen Pullover kaufen. Immer werde ich daran erinnert: “Kauf den Pullover.” Und was auch etwas peinlich ist, manchmal googelt man ja Sachen nachts, da will ich auch nicht, dass das jeder sieht. Vor allem ist es halt auch Google, die speichern alles. Das Internet vergisst nie. Ich bin schon froh, dass wir dieses Data Detox machen. Tag 1. Also, das Erste was ich machen soll, ist den Browser zu öffnen, den ich am meisten benutze, und meine Browser-History zu löschen, damit wir einen frischen Start haben. Browserdaten löschen, Zeitraum: gesamte Zeit. Daten löschen. So, das ist erledigt. Das nächste, was ich machen soll, ist, die
Google-Bildersuche zu benutzen und mich selbst googlen. Ein schönes Bild von mir, wie ich Zähne
putze, das will man gern im Internet sehen. Es gibt Kinderbilder von mir, uralte Kinderbilder, die sind einfach für jeden im Netz sichtbar. Hier ist noch eins… wie kann es sein, dass
solch ein Bild von mir im Internet ist? Jetzt kann man hier nämlich gucken, auf welcher Seite das ist. Was ist jetzt machen kann, ist, ich kann hier hoffentlich herausfinden, von wem die Seite ist und sie dann bitten, FlorianProkopAlsKind03.jpg
zu löschen, weil mir das ganz schön privat ist. Ich möchte nicht, dass das hier drauf ist. Welche Möglichkeiten hast du jetzt, wenn
du ein Bild von dir findest, das du nicht im Internet sehen möchtest? Du kannst es entweder selbst löschen, du
fragst den Betreiber der Website, auf der du es gefunden hast, du kannst die Person über
Social Media kontaktieren, die dich vertaggt hat oder du benutzt
das Google-Formular “Recht auf Vergessen”. Tag 2. Heute geht’s um Google und ich werde herausfinden, wie sehr Google mein BFF ist. Man kann bei Google nämlich einsehen,
was man dort den ganzen Tag so treibt. Dazu geht man einfach auf “My Activity” und
jetzt sieht man, obwohl ich meine Browserdaten gelöscht habe, das hat damit nämlich gar
nichts zu tun, dass ich zum Beispiel gesucht habe, wie ich Kaugummi aus Haaren entfernen
kann, wie ich Karo meine Liebe gestehe, ob mit Pflanzen sprechen sinnvoll ist. Man sieht, dass ich eine Location gesucht
habe und wo ich also hinfahren wollte, in welche Bars ich an dem Abend wollte,
dass ich Yoga gemacht habe. Also man sieht so viel und der Witz ist,
das ist noch nicht mal alles. Wenn ich wirklich wissen will, was Google
genau über mich weiß, dann muss ich eine offizielle Anfrage an sie stellen. Aber Google ist natürlich nicht die einzige
Suchmaschine, das denkt man immer nur. Es gibt Alternativen. DuckDuckGo ist eine Suchmaschine, die mich nicht trackt. Willkommen zu Tag 3. Jetzt geht es um meine sozialen Medien. Wie gut kennt Facebook mich? Dazu habe ich ein Add-on installiert, es heißt “What Facebook thinks you like”, das gucke ich mir jetzt mal an. Was denkt Facebook, was ich mag? Und jetzt kann ich mir nämlich hier anschauen, was ich alles gelikt habe und das nimmt Facebook jetzt zur Grundlage,
mir Werbeanzeigen zu geben. Und ich bin ein großer Fan, denkt Facebook,
von Donald Trump, von Josh Thomas, wobei das stimmt, er ist cool. Ich mag Chelsea Handler. Also es ist schon krass, wenn man mal so gebündelt
sieht, was man Facebook alles gefüttert hat, wofür man steht, von wem man Fan ist, wen man mag. Schauen wir mal unter Hobbys und Activities,
was da so bei mir los ist. Ich mag Autos und Abitur, Zahnseide. Ich nutze Zahnseide aber ich bin wirklich
total uninteressiert an Zahnseide. Und diese Daten werden ja benutzt, um Werbung
genau auf mich zuzuschneiden, damit das, was ich kaufen würde, mir im richtigen Moment
angezeigt wird. Facebook erhebt eine Menge Daten über euch. Sie können dadurch echt viel voraussagen,
zum Beispiel wann ihr euch verliebt, zumindest haben sie das in einer Studie von 2014 behauptet. Tag 4. Heute geht’s um das ganz normale Surfen, denn
auch im Browser werden Daten von euch gesammelt. Über Tracker wird zum Beispiel aufgezeichnet,
wann ihr wohin surft, wohin ihr klickt, wie eure IP-Adresse ist, und darüber kann ein
ziemlich genaues Profil von euch erstellt werden, weil ihr so einzigartig
seid wenn ihr surft. Das nennt man Fingerprinting. Und jetzt gibt’s ein Tool, womit ich testen
kann, wie gut mein Browser vor Tracking geschützt ist. Das heißt “Panopticlick” und falls das Ergebnis
schlecht ausfällt, kriege ich auch gleich noch Tipps, was ich verbessern kann. Es gibt noch andere Tools, zum Beispiel “uBlock
Origin”, die können Tests zufolge bis zu 70% aller Tracker blockieren. Das ist schon ziemlich gut. Und dann gibt’s noch das Browser Add-on “AdNauseam”. Das klickt zufällig auf Werbeanzeigen im
Hintergrund, sodass die Tracker etwas verwirrt sind sozusagen. Aber Google Chrome hat das Add-On für seinen
Browser zum Beispiel gesperrt und es lässt sich nur über ein paar Umwege installieren. Tag 5. Natürlich produziere ich auch mit meinem
Handy Daten, vielleicht sogar die meisten. Meine Hand ist quasi an das Handy gewachsen. Zum Beispiel wenn ihr euch mit einem Wlan
verbindet im Zug oder im Internet-Café und dann Bluetooth an habt, dann kann jeder euren
Namen lesen, weil ihr vielleicht wie ich euer Handy so genannt habt wie ich heiße. Bei mir steht dann Florians Handy. Es gibt aber Wege das auszuschalten. Eine weitere Aufgabe für heute ist, ich soll
die Übertragung von Standortdaten für Apps, die das gar nicht brauchen, ausschalten. Hier zum Beispiel, ich lerne mit dieser App
portugiesisch. Warum muss die wissen, wo ich mich befinde? Morgen! Heute ist Tag 6. Heute geht’s um die Apps auf dem Handy. Ich soll zählen, wie viele Apps ich auf dem
Handy habe, weil: Je mehr Apps man hat, umso mehr Daten werden auch angehäuft. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, … 35, 36 … Ich höre
bei 40 jetzt mal auf zu zählen. Ich habe unfassbar viele Apps, zum Beispiel
drei, mit denen man Essen bestellen kann. Das ist natürlich totaler Quatsch, ich brauche
wirklich nur eine App. Deswegen kann ich die jetzt mal löschen. Ihr könnt außerdem überprüfen, auf welche
Daten eure Apps zugreifen können. Dann könnt ihr schauen, ob
ihr das auch wirklich wollt. Und ihr könnt bei “Myshadow” gucken, ob’s für
eure Apps datensparsame Alternativen gibt. Wir sind schon bei Tag 7 des Data Detox angelangt. Viele große Plattformen sind ja dafür bekannt,
dass sie Daten verkaufen. Das kann unterschiedliche Folgen haben, zum
Beispiel war es in den USA ganz lange möglich, dass schwarze Menschen von Werbeanzeigen für
Immobilien ausgeschlossen werden konnten. Und eine Versicherung in Großbritannien wollte
2016 durch Facebook Posts analysieren, wie die Versicherten fahren und daran sollten
sich dann die Preise orientieren. Das wurde aber kurz vor der Veröffentlichung
gestoppt. Ich kann auch bei Google gucken, was Google
von mir denkt, was mich interessiert. Die schalten mir natürlich auch Werbeanzeigen,
die sie genau auf mich zugeschnitten haben. Zum Beispiel weiß Google, ich mag Bücher
und Literatur, ich mag Katzen, Computer- und Elektronikartikel, aber halt zum Beispiel
auch so Sachen wie Beauty und Fitness. Ihr könnt euch außerdem mal überlegen,
wie vielen Nutzungsbedingungen ihr schon zugestimmt habt, ohne sie überhaupt zu lesen. Alleine die AGBs von Amazons Kindle durchzulesen
dauert neun Stunden. Ich hätte ja eigentlich gedacht, dass ich
ganz gut weiß, was ich an Daten produziere. Aber in den letzten Tagen habe ich gemerkt,
dass da eine Menge zusammenkommt, wo man gar nicht so den Überblick hat. Ich nehme mir auf jeden Fall vor, das jetzt
öfter zu machen. Ich habe getan was ich konnte um den Data
Detox zu machen, aber um wirklich etwas zu verändern, muss eigentlich auch von
politischer Seite etwas passieren. Ich hoffe natürlich, ich konnte einige von
euch überzeugen, auch mal ein bisschen besser auf die Daten acht zu geben. Seit ich das Data Detox benutzt habe und acht
Tage gefastet habe, geht es mir viel besser. Ich habe viel reinere Haut und auch deutlich
besseren Sex. Ich schlafe besser und komme morgens viel
schneller aus dem Bett. Danke, Data Detox!

Glenn Chapman

9 Comments

  1. Die Suchmaschine Qwant hat ja in letzter Zeit auch gut in Influencer-Marketing auf YouTUbe investiert. Inklusive überzeugender Sprüche, sie wäre besser als DuckDuckGo. Bei der Benutzung fällt mir aber schon einiges auf, was z.B. grobe Standortbestimmung oder Länderkennung angeht. Wie sicher sind die wirklich? Gibt es da Recherchen oder anderes zu?

  2. Erschreckend, was es an Bildern von dir gibt. Von mir gibt es nur ein Bild im Internet, von einem Artikel der Schule. Man muss einfach unsichtbar ins Internet gehen, dann weiß das auch nichts.

  3. Gefühlt bin ich wirklich der einzige Mensch, der kein Problem mit dem hat, was Google und co. über mich speichern. Alles was ich nicht veröffentlichen möchte ist im Internet von mir nicht zu finden. Ob diese Daten jetzt irgendwo auf einem Server gespeichert werden und meine Werbeanzeigen daran angepasst werden, ist mir persönlich relativ gleich.

    Meines Erachtens gehen Unternehmen nur zu weit, wenn Sie diese Daten an Dritte weitergeben, ohne meine explizite Zustimmung zu haben.

  4. Mich würde ja mal interessieren, was Unternehmen alles in AGBs hinein schreiben dürfen und was ich davon einhalten muss, wenn ich sie akzeptiert habe. Und dann natürlich die Praxis, was steht tatsächlich drinne und wofür brauchen das die Unternehmen?

  5. Ich habe mit eurem Channel grade ein Abo Detox durchgeführt! Testergebnis: Glocke aktiviert!

  6. Irgendwie funktioniert das alles nicht …
    My Activities – da muss ich mich ja erstmal bei Google anmelden (bin gerade mit einem Wegwerfaccount zum kommentieren hier unterwegs)
    Fotos gibts nur in Zusammenhang mit einem Hobby und dabei müssen auch noch jede Menge Filter gesetzt werden, ansonsten verschwinden die im Rauschen
    FB – gibts eine Möglichkeit, von FB zu erfahren, was sie über einen wissen, ohne einen Account zu haben?! Bei Amazon (incl. Anhängsel) das gleiche …
    Fingerprint – wenn ich panopticlick alles erlaube, ist der Fingerprint eindeutig, aber in der Standardeinstellung bekommts gar keinen Fingerprint hin, NoScript und RequestPolicy blocken das ganz gut. Gut, dafür funktioniert einiges nicht, aber lieber so rum als offen.
    Smartphone – ok, dafür sollte ich mir nochmal Zeit nehmen, da da auch ein Googleaccount dranhängt.
    Werbung? Welche Werbung? Eine (!) SpieleApp blendet vor jedem Spiel 'ne zufällige Werbeseite ein, ansonsten muss ich richtig überlegen, wann ich das letzte mal bewußt Werbung online wahrgenommen hatte.
    Was mache ich falsch?

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